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27.06.2009
In dem Buch “Familie und seelische Krankheit”, hg. von Richter, Strotzka, Willi, Reinbek 1976, das ich zur Zeit mit großem Interesse lese, fand ich S.196 eine interessante Definition von Krise:
Nach Caplan liegt dann eine Krise vor, wenn sich ein Individuum oder eine Gruppe bei der Verfolgung lebenswichtiger Ziele Problemen gegenübersieht, bei denen die bisherigen Modalitäten der Problemlösung versagen. Weil eine derartige Situation Desorganisation bewirkt, eröffnet sie zugleich aber auch die Chance, neue Wege der Problembewältigung zu suchen, weshalb der Krise als Basis für heilsame Veränderungen besondere therapeutische Bedeutung zukommt. (In: Eckhard Sperling und Ursula Sperling: Die Einbeziehung der Großeltern in die Familientherapie, S.196-S.215)
Bei dem genannten Autor Caplan beziehen die Autoren sich auf: Caplan, G.: Concepts of mental health and consultation. Washington: US Dep. of Health. Soc. Sec. Adm. 1959 (U.S. Children’s Bureau Publication No.373).
Offensichtlich war meine Reaktionsweise der Eifersuchtsparanoia solch ein erster hilfloser Versuch (eine “bewußtlose Anstrengung des Bewußtseins”, wie Adorno das formuliert) einer Antwort auf die Tatsache, daß meine bisherigen Modalitäten der Problemlösung versagten, nachdem ein grundsätzlicher Vertrauensverlust gegenüber Ildiko eingetreten war. Selbst diesen Ausdruck hätte ich damals gar nicht finden können, da ich überhaupt keine Möglichkeit sah, das Ganze zu sortieren. Der Ausdruck ‘Vertrauensverlust’, der das psychische Grundproblem markiert, vor dem ich damals 1970 stand, ist erst 2008 (in dem Zeitungsartikel über die 68er) bei mir endgültig zum Tragen gekommen.
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