Double Bind

 

18,03,04 – Zu Gregory Batesons Double Bind Theorie

 

(Ich beziehe mich auf das Buch „Ökologie des Geistes“ Ffm 1985, Suhrkamp STW 571, darin ab Teil III: „Form und Pathologie der Beziehung“, S. 219f.)

Bateson hat da eine Menge interessanter Ideen. Eine davon ist: Wer dem Double Bind (db) ständig ausgesetzt ist, entwickelt einen eigenartigen Fluchtmechanismus. Er nennt als Haupt-Beispiele: paranoid (ausgesprochen misstrauisch), hebephren (alle Mitteilungen als unwichtig oder lächerlich empfinden), katatonisch (Rückzug auf Schweigsamkeit).

Eine andere interessante Idee Batesons ist, dass jemand eine Einstellung als absolut existentiell unumstößlich hält, etwas das nicht anzuzweifeln ist. Damit kann eine db-Falle hergestellt werden. Beim Kind ist es natürlicherweise der Wunsch nach elterlicher Zuwendung.

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Damit möchte ich nun die eigene Erfahrung meiner Eifersuchtsparanoia im Zusammenhang mit Ildiko thematisieren.

Also, ich denke, klar dürfte sein, dass meine ‚existentiell unumstößliche Einstellung, die nicht anzuzweifeln ist‘, die ‚Sexualreligion‘ war. Ähnlich wie für einen gläubigen Mohammedaner der Koran, die Scharia usw. nicht anzuzweifeln ist. Mit dieser Sexualreligion bin ich Ildiko als ‚Großer Liebe‘ begegnet, die selber komplementär dazu eingestellt war.

Nun denke ich, ist der entscheidende Punkt bei dem db, dass die Verbergung des Betrugs die entscheidende Rolle spielt, vor allem die Art des Betrugs. – Es ist ja vorteilhaft für den Betrüger, wenn das ‚Opfer‘ (Terminus von Bateson) sich falsche Vorstellungen von der Art des Betrugs zusammenreimt: dem kann der Täter problemlos vor sich selber (und anderen) widersprechen und wäscht sich damit scheinbar rein. Der grundlegende Punkt ist, dass das Opfer keine geistige Verfügungsgewalt über die wahren Realitäten bekommt. Doch dazu wäre ein entscheidender Schritt nötig: Das Opfer müsste seine existentiell unumstößliche Einstellung, die in seinen bisherigen Augen nicht anzuzweifeln ist,  tatsächlich mit neuen Augen anzweifeln, denn diese ist es ja primär, die ihm die Falle aufgestellt hat.

Grundgegebenheit: wenn das Opfer in einer Liebesbeziehung an die Behauptung der Aktivseite glaubt, dass es geliebt wird, auch wenn da kuriose andere Erfahrungen vorhanden sind.

Bei Ildiko war die schließliche Lösung des Geheimnisses, dass sie eben nicht einfach nur mit quasi x-beliebigen (halbwegs interessanten) Männern vögelte, wie mir das meine Eifersuchtsphantasien einflöteten (gemäß meiner eigenen Realität bzgl. Weibern), sondern dass sie an sich schon sehr wählerisch war (auch wenn sie wohl auch sexuellen Vergewaltigungsphantasien frönte, wie sie einmal zugab – also sie wird vergewaltigt phantasierte sie sich). Ich denke, ihre Wählerischkeit bezog sich auf Typen, die meiner Identität entgegengestellt waren. Etwa bürgerliche Existenzen, Ärzte & Co. KG. Aber auch künstlerische Typen. Hinzu kamen Neger. Tatsächlich waren das weitgehend Luschen, Pseudos und Versager, die sie da real in sich hineinpenetrieren ließ. Auch wenn die mächtig und selbstbewusst daher kamen.

Was sie als sexuelle Freiheit ansah, war also in erster Linie was Systematisches der Unfreiheit. Das war die eigentliche Realität, die sie vor sich und natürlich erst recht vor mir zu verbergen suchte. Und ich kam nicht hinter ihre Manöver, solange ich an der Sexualreligion hing wie beispielsweise der arme norwegische Kollege Edward Munch:

 

Edvard_Munch_-_Ashes_(1895) - 560

Edvard Munch - Ashes (1895); siehe Wikimedia

 

 

Das heißt ich war psychisch abhängig von ihrer Attraktivität – speziell natürlich von ihrem schönen ‚Döschen‘! So schlau war sie mittlerweile, dass sie das wusste. Folglich konnte sie mit diesem Kapital wuchern (wähnte sie zumindest vermutlich). Doch trotz aller meiner magnetischen Eifersuchts-Paranoia konnte ich mich ganz allmählich diesem ehernen Schraubgriff (an dem ich selber größtenteils beteiligt war) entwinden. Das hat in der Tat viele Jahre gedauert! Vorneweg mal 7 Jahre, bis ich dann schließlich mit Barbara zusammen war. - Wobei mit ihr gottseidank alles anders war. Hier war endlich echte Kommunikation angesagt, was natürlich wesentlich auch von meiner eigenen geistigen Entwicklung bis dato zusammen hing.

 

 

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